Die Krankheitsquote in Schichtbetrieben liegt oft über dem Branchenschnitt. Welche Maßnahmen tatsächlich helfen und welche nur Symptome bekämpfen.
Aus der Praxis: "Krankheitsquoten von 8 % oder mehr werden in vielen Betrieben als branchenüblich akzeptiert. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Ein erheblicher Teil der Fehlzeiten ist hausgemacht: ungünstige Schichtpläne, zu wenig Erholung, fehlende Planbarkeit. Im Folgenden zeigen wir, an welchen Stellschrauben Sie ansetzen sollten, um messbare Ergebnisse zu erzielen."
Eine Krankheitsquote von 7, 8 oder gar 9 Prozent wird in vielen Schichtbetrieben resigniert hingenommen. Begründungen wie "Das liegt an der Branche" oder "Die Mitarbeitenden wollen einfach nicht mehr arbeiten" greifen zu kurz und sind oft bequeme Erklärungen.
In der Praxis zeigt sich, dass ein Großteil der Fehlzeiten im Schichtbetrieb strukturell bedingt ist. Es sind die Schichtmodelle, die Planungspraxis und die Rahmenbedingungen, die der Arbeitgeber direkt beeinflussen kann. Nicht jeder Infekt lässt sich verhindern, aber durch gezielte Maßnahmen können Mitarbeitende deutlich gesünder und motivierter bleiben.
Zur wirtschaftlichen Dimension: Bereits eine Senkung der Quote um 2 Prozentpunkte spart bei einem Betrieb mit 50 Mitarbeitenden 35.000 bis 50.000 Euro jährlich an reiner Entgeltfortzahlung. Die indirekten Kosten durch Belastung der Springer und Qualitätseinbußen sind hier noch nicht berücksichtigt.
Im Folgenden zeigen wir, was wirksam ist und welche Maßnahmen sich nicht lohnen.
Bevor Maßnahmen ergriffen werden, ist die Ursachenanalyse zentral: Warum fehlen die Mitarbeitenden? Aus der Praxis ergeben sich drei Hauptgründe:
Wechselschicht und insbesondere Nachtarbeit beanspruchen den Organismus erheblich. Schlafstörungen und Magen-Darm-Probleme sind die Folge, wie die Studienlage belegt. Diese Belastung lässt sich nicht eliminieren, aber durch gezielte Planung deutlich reduzieren.
Häufig wird übersehen, dass nicht die Schicht selbst das Problem ist, sondern deren Organisation: zu kurze Ruhezeiten zwischen den Einsätzen, dieselben Mitarbeitenden, die am Wochenende einspringen müssen, und ständige kurzfristige Planänderungen. Dazu kommt chronische Unterbesetzung, die zu einer ungesunden Überstundenbelastung führt.
Nicht jede Krankmeldung beruht auf einer tatsächlichen Erkrankung. In Teams mit schlechter Stimmung, ungerechten Plänen oder mangelhafter Führung steigt der motivationale Absentismus. Mitarbeitende melden sich krank, weil sie nicht mehr können oder wollen. Das ist kein Anlass für Druck, sondern ein deutliches Warnsignal, dass die Rahmenbedingungen überprüft werden müssen.
Hier liegt der größte Hebel. Ein ungeeignetes Schichtmodell lässt sich durch andere Maßnahmen nicht kompensieren.
Die 11 Stunden sind Pflicht. Wer am Limit plant, riskiert die Gesundheit der Mitarbeitenden. Wenn jemand um 6 Uhr aus der Nachtschicht kommt und am selben Tag um 17 Uhr wieder in die Spätschicht muss, bleiben oft nur vier Stunden Schlaf. Das ist auf Dauer nicht tragfähig. Empfehlung: Nach einer Nachtschicht keine Spätschicht am selben Tag. Diese Regel verursacht keine Mehrkosten, schützt aber die Gesundheit der Mitarbeitenden.
Erfahren Mitarbeitende erst drei Tage vorher von ihrer Arbeitseinteilung, entsteht erheblicher Stress. Kinderbetreuung und Arzttermine werden unmöglich. Dieser chronische Stress fördert Erkrankungen.
Wenn im Team das Gefühl entsteht, immer dieselben Mitarbeitenden würden benachteiligt, ist das ein ernstes Warnsignal. Nutzen Sie Daten für eine objektive Verteilung: Wer hat die meisten Nachtschichten geleistet? Wer musste häufig am Wochenende einspringen? Ohne diese Datenbasis erfolgt die Planung im Blindflug. Ein Mitarbeiter-Portal macht die Verteilung transparent. Vermeiden Sie, sich ausschließlich auf Freiwilligkeit zu verlassen, weil sonst die Zuverlässigen überlastet werden.
Wenn sich jemand krankmeldet und stets dieselben drei Personen kontaktiert werden, sind genau diese als nächste von Ausfällen bedroht. Etablieren Sie ein systematisches Verfahren: Rotieren Sie die Vertretungen und planen Sie einen Puffer ein. Bei 7 % Krankheitsquote ist eine Planung auf 100 % Besetzung nicht realistisch. Planen Sie auf 107 %.
Ein einfaches "Schön, dass Sie wieder da sind. Brauchen Sie gerade Unterstützung?" wirkt Wunder.
Nachtarbeiter haben ein Recht auf Untersuchungen. Bieten Sie dies aktiv an. Wer frühzeitig erkennt, dass der Blutdruck problematisch ist, fällt nicht wochenlang aus. Die Kosten von rund 100 Euro pro Untersuchung stehen in keinem Verhältnis zu den Ausfallkosten von mehreren tausend Euro.
Die Krankheitsquote ist nicht überall gleich verteilt. Ist sie montags besonders hoch (motivationaler Absentismus)? Tritt sie regelmäßig nach Nachtschichten auf? Oder konzentriert sie sich auf ein bestimmtes Team (möglicherweise ein Führungsproblem)? Nutzen Sie Zeiterfassung und digitale Planung, um Muster zu erkennen. Ohne diese Daten basieren Entscheidungen auf Vermutungen.
Zur wirtschaftlichen Einordnung: Die Differenz zwischen 9 % und 5 % Krankheitsquote bei 50 Mitarbeitenden beträgt fast 60.000 Euro pro Jahr. Ein erheblicher Hebel.
Die wichtigsten Empfehlungen im Überblick:
Erfahrungsgemäß lässt sich die Quote nicht über Nacht halbieren. Bei konsequenter Umsetzung dieser Maßnahmen sinken die Zahlen jedoch nach 6 bis 12 Monaten messbar, und die Stimmung im Team verbessert sich deutlich.
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