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Personalplanung5 min Lesezeit

Krankheitsquote

Wie Sie die Krankheitsquote berechnen, was eine hohe Quote für Ihre Dienstplanung bedeutet und welche Maßnahmen im Schichtbetrieb wirklich wirken.

Was ist die Krankheitsquote?

Die Krankheitsquote (auch: Krankenquote oder Fehlzeitenquote) gibt an, welcher Anteil der geplanten Arbeitszeit krankheitsbedingt ausgefallen ist. Für Schichtbetriebe ist sie eine der wichtigsten Kennzahlen, denn jeder Ausfall trifft die Dienstplanung und die Belastung des restlichen Teams direkt.

Berechnung

Die Standardformel:

Krankheitsquote (%) = (Krankheitstage ÷ Soll-Arbeitstage) × 100

Beispiel

Ein Betrieb mit 30 Mitarbeitern hat im März insgesamt 45 Krankheitstage. Bei 22 Soll-Arbeitstagen pro Mitarbeiter:

  • Soll-Arbeitstage gesamt: 30 × 22 = 660
  • Krankheitstage: 45
  • Krankheitsquote: 45 ÷ 660 × 100 = 6,8 %

Varianten der Berechnung

VarianteFormelWann sinnvoll
TagesbasiertKrankheitstage ÷ Soll-TageStandardverfahren, gut vergleichbar
StundenbasiertKrankheitsstunden ÷ Soll-StundenGenauer bei Teilzeit und unterschiedlichen Schichtlängen
Pro MitarbeiterKrankheitstage ÷ Anzahl MitarbeiterZeigt durchschnittliche Fehltage pro Kopf

Für Schichtbetriebe mit unterschiedlichen Schichtlängen und einem Mix aus Vollzeit, Teilzeit und Minijobs ist die stundenbasierte Berechnung am aussagekräftigsten.

Branchen-Benchmarks

Die durchschnittliche Krankheitsquote in Deutschland liegt bei 5,5-6,5 % (Quelle: DAK, TK, AOK Fehlzeitenreport). In Schichtbetrieben ist sie typischerweise höher:

BrancheTypische Krankheitsquote
Pflege & Gesundheitswesen7-9 %
Sicherheitsgewerbe6-8 %
Gastronomie & Hotellerie5-7 %
Gebäudereinigung7-9 %
Logistik & Transport6-8 %

Das sind allerdings Durchschnittswerte. Die Quote schwankt je nach Betriebsgröße, Altersstruktur, Region und Jahreszeit erheblich. Vergleichen Sie sich nicht blind mit Branchenwerten, sondern beobachten Sie Ihre eigene Entwicklung über die Zeit.

Was eine hohe Quote für die Dienstplanung bedeutet

Eine Krankheitsquote von 8 % klingt erstmal harmlos. In der Praxis heißt das aber:

  • Bei 50 Mitarbeitern fallen im Schnitt 4 Schichten pro Tag krankheitsbedingt aus
  • Pro Monat sind das 80-90 Ausfallschichten, die durch Vertretung gedeckt werden müssen
  • Die verbleibenden Mitarbeiter leisten deutlich mehr Überstunden, was wiederum deren Krankheitsrisiko erhöht

Ein Teufelskreis: Hohe Krankheitsquote → Überlastung der Verbliebenen → deren Krankheitsquote steigt → noch mehr Überlastung.

Ursachen im Schichtbetrieb

Schichtarbeit selbst als Risikofaktor

Regelmäßige Nachtarbeit und wechselnde Schichten belasten die Gesundheit nachweislich. Schlafstörungen, Verdauungsprobleme und erhöhter Stress sind typische Folgen. Ganz vermeiden lässt sich das nicht, aber durch ergonomische Schichtplangestaltung deutlich reduzieren.

Planungsbedingte Ursachen

Oft ist es gar nicht die Schichtarbeit selbst, sondern schlechte Planung, die die Quote hochtreibt:

  • Zu wenig Ruhezeit: Wenn die 11-Stunden-Regel regelmäßig am Limit liegt, fehlt die Regeneration
  • Ungerechte Verteilung: Mitarbeiter, die überproportional viele Nacht- und Wochenendschichten bekommen, werden häufiger krank
  • Kurzfristige Planung: Stress durch fehlende Planungssicherheit erhöht die psychische Belastung
  • Fehlende Mitbestimmung: Mitarbeiter, die keinen Einfluss auf ihre Arbeitszeiten haben, zeigen häufiger Absentismus

Motivationsbedingte Ursachen

Manchmal ist die hohe Quote kein Gesundheits-, sondern ein Führungsproblem:

  • Motivationaler Absentismus: Mitarbeiter melden sich nicht krank, weil sie krank sind, sondern weil sie keine Lust haben. Dahinter steckt meistens Unzufriedenheit mit der Planung, dem Team oder der Führung.
  • Präsentismus: Das Gegenteil. Mitarbeiter schleppen sich krank zur Arbeit, stecken Kollegen an und verlängern so die Gesamtausfallzeit.

7 Maßnahmen, die wirken

1. Schichtmodell überprüfen

Vorwärtsrotation statt Rückwärtsrotation. Maximal 3 Nachtschichten am Stück. Genug Erholungsphasen. Die BAuA-Empfehlungen für ergonomische Schichtpläne sind ein guter Startpunkt.

2. Dienstplan früher veröffentlichen

Wer seinen Plan 4 Wochen im Voraus kennt, kann das Privatleben organisieren: Kinderbetreuung, Arzttermine, soziale Kontakte. Weniger Stress heißt weniger krankheitsbedingte Ausfälle. Die Bekanntgabefrist sollte so lang wie möglich sein.

3. Fairness sichtbar machen

Wenn unbeliebte Schichten transparent verteilt werden, fühlt sich niemand benachteiligt. Punktesysteme oder rotierende Zuteilung funktionieren besser als Bauchgefühl.

4. Springer-Pool aufbauen

Ein funktionierender Ausfallplan verhindert, dass bei jeder Krankmeldung die gleichen Mitarbeiter einspringen müssen. Das verteilt die Last und schützt vor Überbeanspruchung.

5. Rückkehrgespräche führen

Nach jeder Krankheit ein kurzes, wertschätzendes Gespräch: "Schön, dass Sie wieder da sind. Gibt es etwas, das wir beachten sollten?" Kein Verhör, keine Vorwürfe. Das Signal: Wir nehmen Krankheit ernst und wollen, dass Sie gesund bleiben.

6. Arbeitsmedizinische Vorsorge ernst nehmen

Nachtarbeitnehmer haben Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen. Bieten Sie sie proaktiv an, nicht nur auf Nachfrage. Früherkennung verhindert lange Ausfälle.

7. Daten analysieren

Ohne Zeiterfassung und Ausfallstatistik stochern Sie im Dunkeln. Erfassen Sie nicht nur die Quote insgesamt, sondern aufgeschlüsselt nach Wochentag, Schichtlage, Team und Saison. Erst wenn Sie Muster erkennen, können Sie gezielt gegensteuern.

Häufige Fehler

  • Nur die Gesamtquote betrachten: Der Durchschnitt verdeckt die Realität. Schauen Sie sich die Zahlen nach Teams, Schichtlagen und Wochentagen an, denn dort liegen die Hebel.
  • Krankheitsquote als individuelles Problem behandeln: Wenn die Quote im ganzen Betrieb hoch ist, liegt es nicht an den Leuten, sondern an den Strukturen.
  • Druck auf kranke Mitarbeiter ausüben: Führt kurzfristig zu Präsentismus, langfristig zu höherer Fluktuation und noch höheren Ausfällen. Mehr dazu im Artikel Krankmeldung & Dienstplan.
  • Keine Puffer in der Personalplanung: Wer mit einer Ausfallquote von 8 % plant, aber Personal für 100 % Besetzung hat, ist permanent unterbesetzt.
  • Maßnahmen ohne Datengrundlage starten: "Wir machen jetzt BGM" klingt gut, bringt aber wenig, wenn das eigentliche Problem ein schlechtes Schichtmodell ist.

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