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Personalplanung5 min LesezeitVon Max Andronytschew

Krankheitsquote

Wie Sie die Krankheitsquote berechnen, was eine hohe Quote für Ihre Dienstplanung bedeutet und welche Maßnahmen im Schichtbetrieb wirklich wirken.

Aus der Praxis: "Eine Krankheitsquote von 8 Prozent wirkt in Excel-Listen abstrakt, in der Disposition bedeutet sie permanente Engpässe. Häufig werden nur die Symptome behandelt, statt die eigentlichen Ursachen zu analysieren. Die Krankheitsquote ist keine reine HR-Kennzahl, sondern der wichtigste Indikator für die Qualität der Dienstplanung."

Aussagekraft der Krankheitsquote

Die Krankheitsquote (auch Fehlzeitenquote) zeigt, welcher Anteil der geplanten Arbeitszeit durch krankheitsbedingte Ausfälle verloren geht. Im Schichtbetrieb ist sie keine nachrangige HR-Kennzahl, sondern eine zentrale Steuerungsgröße. Der Grund: Jeder Ausfall wirkt sich unmittelbar auf die Dienstplanung und auf die einspringenden Kolleginnen und Kollegen aus.

Berechnung der Krankheitsquote

Die klassische Formel lautet:

Krankheitsquote (%) = (Krankheitstage ÷ Soll-Arbeitstage) × 100

Rechenbeispiel

Angenommen, Sie planen für ein Team von 30 Personen. Im März fallen insgesamt 45 Krankheitstage an. Bei 22 geplanten Soll-Arbeitstagen pro Kopf ergibt sich folgende Rechnung:

  • Soll-Arbeitstage im Team: 30 × 22 = 660
  • Krankheitstage: 45
  • Krankheitsquote: 45 ÷ 660 × 100 = 6,8 %

Verschiedene Berechnungsbasen

BerechnungsartFormelAnwendung
TagesbasiertKrankheitstage ÷ Soll-TageStandard. Geeignet für den groben Vergleich mit anderen Betrieben.
StundenbasiertKrankheitsstunden ÷ Soll-StundenPräziser. Empfohlen bei vielen Teilzeitkräften und unterschiedlichen Schichtlängen.
Pro MitarbeiterKrankheitstage ÷ Anzahl MitarbeiterZeigt die durchschnittliche Fehltagezahl pro Mitarbeiter.

Ein Praxis-Hinweis: In Schichtbetrieben mit gemischten Beschäftigungsverhältnissen (Vollzeit, Teilzeit, Minijob) liefert die stundenbasierte Berechnung die belastbarsten Werte. Andere Methoden verwässern die tatsächliche Belastung.

Branchenvergleich

Die Fehlzeitenreports von DAK, TK und AOK weisen den deutschen Durchschnitt zwischen 5,5 und 6,5 % aus. In Schichtbetrieben liegen die Quoten naturgemäß höher:

BranchenTypische Krankheitsquote
Pflege & Gesundheitswesen7-9 %
Sicherheitsgewerbe6-8 %
Gastronomie & Hotellerie5-7 %
Gebäudereinigung7-9 %
Logistik & Transport6-8 %

Wichtiger Hinweis: Diese Durchschnittswerte sind mit Vorsicht zu interpretieren. Ihre eigene Quote hängt von zahlreichen Faktoren ab: Teamgröße, Altersstruktur, Region und aktuelle Krankheitswellen. Aussagekräftiger als der Branchenvergleich ist die Entwicklung Ihrer eigenen Quote über die Zeit.

Wer einen kuratierten Überblick über die Studienlage zu Fehlzeiten, Ruhezeit-Verstößen und Arbeitszeit-Reformen 2026 sucht, findet die Quellen gebündelt im Schichtplan-Report 2026.

Der Dominoeffekt: Wenn die Quote die Planung kippen lässt

Eine Aussage wie "8 Prozent Krankenquote ist tragbar" stammt selten von Personen, die selbst Dienstpläne erstellen. Für die Disposition bedeutet sie konkret:

  • Bei einem 50-köpfigen Team fallen im Schnitt 4 Schichten pro Tag aus.
  • Auf den Monat hochgerechnet sind das 80 bis 90 Ausfallschichten, für die kurzfristig Ersatz organisiert werden muss.
  • Die Einspringenden akkumulieren Überstunden, was Erschöpfung und damit weitere Ausfälle begünstigt.

Das ist der typische Teufelskreis der Schichtplanung: Die Ausfallquote steigt, das verbleibende Team wird überlastet, weitere Krankmeldungen folgen, die Belastung verschärft sich.

Ursachen für hohe Krankmeldungsquoten

Belastung durch Schichtarbeit

Wer ständig wechselnde Schichten fährt oder regelmäßig Nachtarbeit leistet, beansprucht den Organismus erheblich. Schlafstörungen, Magenbeschwerden und ein hoher Stresspegel sind häufige Folgen. Das Schichtsystem lässt sich nicht abschaffen, die Belastung jedoch durch eine ergonomische Schichtplangestaltung deutlich reduzieren.

Planungsfehler

Häufig liegt die Ursache nicht in der Schicht selbst, sondern in der Planung:

  • Knapp bemessene Ruhezeiten: Wird die gesetzliche 11-Stunden-Regel systematisch ausgereizt, fehlt den Mitarbeitenden die Erholung.
  • Unfaire Verteilung: Wer wiederholt unbeliebte Nacht- und Wochenendschichten erhält, kündigt erfahrungsgemäß früher.
  • Kurzfristige Planung: Permanente Ungewissheit über die kommende Arbeitswoche erzeugt Dauerstress, der Erkrankungen begünstigt. Verlässliche Planungssicherheit ist daher zentral.
  • Fehlende Mitsprache: Ohne Beteiligung des Teams an der Arbeitszeitgestaltung steigen Frustration und Fehlzeiten.

Motivationale Fehlzeiten

Eine hohe Quote ist nicht immer ein medizinisches, sondern oft ein Führungsproblem:

  • Motivationaler Absentismus: Krankmeldungen ohne tatsächliche Erkrankung sind häufig Ausdruck von Frustration über die Planung, das Teamklima oder die Führung.
  • Präsentismus: Mitarbeitende erscheinen krank zur Arbeit, stecken Kollegen an und verursachen so Folgeausfälle.

Praxis-Tipps: Nachhaltige Senkung der Quote

Folgende Hebel haben sich in der Praxis bewährt:

  1. Schichtmodelle überprüfen Vorwärtsrotation (Früh → Spät → Nacht) statt Rückwärtsrotation. Maximal drei Nachtschichten am Stück, danach ausreichende Erholungsphasen. Die BAuA-Empfehlungen für ergonomische Schichtpläne bieten hier einen guten Ausgangspunkt.

  2. Dienstpläne früher veröffentlichen Wer vier Wochen im Voraus weiß, wann er arbeitet, kann Kinderbetreuung, Arzttermine und Privatleben planen. Weniger privater Stress bedeutet weniger Krankmeldungen. Reizen Sie die Bekanntgabefrist maximal aus.

  3. Fairness sichtbar machen Verteilen Sie unbeliebte Schichten transparent. Ein Punktesystem oder eine rollierende Rotation sind dem subjektiven Ermessen der Planer überlegen.

  4. Springer-Pool aufbauen Ein durchdachtes Ausfallmanagement verhindert, dass immer dieselben Kolleginnen und Kollegen einspringen müssen. Das verteilt die Last und schützt Leistungsträger vor Überlastung.

  5. Rückkehrgespräche etablieren Nach einer längeren Erkrankung empfiehlt sich ein wertschätzendes Gespräch: "Schön, dass Sie wieder an Bord sind. Müssen wir auf etwas achten?" Es darf kein Verhör sein. Signalisieren Sie Ihren Mitarbeitenden: Wir nehmen Sie ernst.

  6. Arbeitsmedizinische Vorsorge aktiv anbieten Nachtarbeiter haben einen gesetzlichen Anspruch auf arbeitsmedizinische Untersuchungen. Bieten Sie diese aktiv an, ohne auf Anfragen zu warten. Frühzeitiges Gegensteuern verhindert oft monatelange Ausfälle.

  7. Daten auswerten Ohne verlässliche Zeiterfassung und Ausfallstatistiken planen Sie im Blindflug. Schlüsseln Sie die Quote auf: Welche Wochentage, Schichten und Teams sind besonders betroffen? Erst die Mustererkennung erlaubt gezielte Maßnahmen.

Checkliste: Typische Fehler

  • Orientierung am Durchschnitt: Die Gesamtquote von 8 Prozent reicht als Steuerungsgröße nicht. Die Schmerzpunkte liegen in den Details der Teams und Schichten.
  • Krankheit als Einzelschicksal werten: Wenn ganze Bereiche dauerhaft hohe Krankenstände aufweisen, sind in der Regel die Strukturen das Problem.
  • Druck bei Krankmeldungen aufbauen: Wer Mitarbeitende telefonisch zur Schicht drängt, fördert Präsentismus. Kurzfristig ist die Schicht besetzt, langfristig leidet der Betrieb. Siehe auch Krankmeldung & Dienstplan.
  • Planung ohne Puffer: Bei einer 8-Prozent-Quote führt eine Planung auf 100 Prozent Besetzung zu chronischer Unterbesetzung. Puffer sind einzuplanen.
  • Symbolische Maßnahmen: Obstkorb oder Yoga-Gutschein lösen kein strukturelles Schichtproblem. Analysieren Sie zuerst die Daten, bevor Sie in solche Maßnahmen investieren.

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